Des Kaisers Größte Stuben

In der vielfältigen Vorarlberger Landschaft stellt Stuben ein besonderes Kleinod dar. Die geopolitische Lage – der Ort ist sozusagen die “gute Stube der Verbindung” Vorarlbergs mit dem Nachbarland Tirol und damit zum übrigen Österreich – und die Situierung am Fuß zweier Pässe sind spezifische Besonderheiten.

Urkundlich taucht der Name Stuben erstmals 1330 auf. Doch bereits auf dem Reichstag in Ulm 1218 wurde von Graf Hugo von Montfort den Johannitern in Klösterle das Stubner Gebiet mit der Bestimmung übergeben, am Fuße des Arlbergs für die Reisenden eine Unterkunft zu bauen und ihnen Feuer, Wasser und Obdach zu gewähren.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts setzte eine sprunghafte Steigerung des Verkehrs ein. Bei Hall in Tirol wurde eine neue Saline angelegt und der Arlberg entwickelte sich zu einer Via Salaria nach der Ostschweiz. Stuben wurde dabei zum Durchgangsort eines florierenden Warenverkehrs. In den Wintermonaten wurde das Salz auf den Schlitten transportiert. Zur Erhaltung des Weges mussten die Kaufleute oberhalb von Stuben “ze Eggen” einen bestimmten Zoll bezahlen und zwar für einen Reiter 1 Kreuzer und für ein Saumroß 2 Kreuzer. Durchgangszölle und Fuhrlohn brachten den Stubnern beträchtliche Einnahmen.
Auch für Speis und Trank der Durchziehenden wurde gesorgt, denn heißt es doch in einer alten Urkunde:

“Zu Stuben am Fuße des Arlenberges gelegen seynd etliche Würths-Hüser, und das ist dort höchst vonnöthen…”.

Der starke Verkehr über den Arlberg, der infolge des neu aufkommenden Salzhandels auch im Winter nicht stockte, forderte so manches Opfer. Stundenlang war keine Herberge zu erreichen und mancher, der in einen plötzlich auftauchenden Schneesturm geriet, war verloren. Die nächsten Unterkunftsorte, Stuben und St. Jakob, lagen stundenlang auseinander.

Die Ortschaft Stuben wurde zu Habsburgs Zeiten “Des Kaisers größte Stuben” genannt. Der Ortsname widerspiegelt in treffender Weise das charakteristische Wesen dieser Siedlung: Geborgenheit, Schutz und Wärme zu spenden für alle, die entweder rastend als Durchreisende oder erholend als Touristen das heimelige Gefühl der “Stube” aufsuchten.

Die Nestwärme wird aber nicht nur von der idyllischen Begrenztheit der Ortsgröße und der grandiosen Umrahmung mit dem Erzberg, der Albona und dem Trittkopf geprägt, vielmehr ist es die Herzlichkeit und Freundschaft der Stubner, die eine jahrhundertelange Tradition der Gastfreundschaft pflegen.

Die berühmten Söhne Stubens

Zwei Brüderpaare waren es, welche ihre Skitalente in die Welt trugen. Alle vier hatten eines gemeinsam, sie kamen aus dem 100 Seelen Bergdorf Stuben am Arlberg. Sie trugen maßgeblich dazu bei, dass aus dem Säumerdorf die „Wiege des alpinen Skilaufs“ wurde.

Hannes und Friedrich Schneider

Ersterer ist der Meister des Skilaufs und hat mit der Erfindung des Stemmbogens und in späterer Folge mit seiner „Arlberg-Technik“ das Fundament für die heutige weltumfassende Skischule gelegt. Auch durch seine schauspielerischen Erfolge in über 15 Filmen gelangte er zu Weltruhm. Sein Heimatdorf diente zu großen Teilen als Filmkulisse und durch ihn wurde Stuben auch zur „Wiege der ersten Bergsport Spielfilme“. Er bildete durch seine einmalige Persönlichkeit und einzigartiges Skitalent die Grundlage für den heutigen internationalen Skitourismus.

Hannes Schneider zu Ehren wurde im Dezember 2012 in Stuben am Arlberg, seinem Geburtsort, eine Bronze-Statue errichtet, welche an sein bewegtes Leben und seine weltweiten Verdienste um den alpinen Schilauf erinnern soll.

Bruder Friedrich war erster Abfahrtssieger des Arlberg-Kandahar-Rennens, das es heute noch gibt und von Hannes Schneider ins Leben gerufen wurde. Das Arlberger Kandahar-Rennen als alpine Kombination gilt als Geburtsstunde des Rennlaufs. 1924 gründete Friedrich Schneider die Skischule Stuben am Arlberg, eine der ersten Skischulen der Welt. Diese übergab er 1928 an Albert Walch und leitete mit einer (Kriegs-) Unterbrechung bis 1969 die Skischule Zürs.

 

Willi und Emil Walch

Willi Walch wirkte bei vielen Skifilmen als junger, tollkühner, jedoch namenloser Fahrer mit. Er gewann bereits in jungen Jahren bei den Madloch-Rennen in Lech die Abfahrt und die Kombination. Später gewann er zahlreiche internationale, bis heute bedeutende Rennen wie: 1937 jeweils Wengen und Kitzbühel, 1938 gewann er vier Kombinationen in Kitzbühel, Wengen, Megève und am Feldberg. Darüber hinaus die Kombination der Österreichischen Meisterschaft in Murau. Im folgenden Jahr gewann er die Abfahrt und die Kombination in Kitzbühel und ebenso die Abfahrten in Garmisch und Luchon, sowie die Kombination in Wengen. Viele weitere Podiumsplätze folgten. Bevor er zur Wehrmacht eingezogen wurde, erreichte er am Saisonende noch den 3. Platz bei der Abfahrt von St. Anton, obwohl er zuvor wegen eines Beinbruchs längere Zeit nicht an Rennen teilnehmen konnte.
Er hielt sich sehr oft in der Skiwerkstatt von Hannes Schneider auf. Dort entstand auf seine Anregung die Willi Walch-Bindung.

Emil Walch war ebenfalls ein erfolgreicher Skirennläufer. Als Emil seine Rennläuferkarriere beendete und seinem gelernten Beruf als Ofenbauer wieder nachging, überwog sein unternehmerisches Talent. So übernahm er auch das „Gasthaus zum Mondschein“, so hieß es damals, von seinem Bruder Fridolin, in welchem heute noch im Original ein von ihm errichteter Kachelofen im Restaurant in der „Alten Gaststube“ erhalten ist. Ein weiteres Exemplar befindet sich im sogenannten „Fuchsloch“, dem ehemaligen Schischulbüro und Wohnhaus von Friedrich Schneider.

Er war maßgeblicher Initiator für den Bau des Schiliftes „Albonabahn“ in Stuben und wurde dessen erster Geschäftsführer. Die Errichtung dieses Liftes in dem exponiertem Gelände war damals ein Meisterstück des Seilbahnbaus und sie begründete den qualitativen Wintertourismus in Stuben und der Arlberg-Region.

Immer noch dient die Albona, der Hausberg von Stuben als Filmkulisse und bekannte Ski- und Snowboardfirmen aus aller Welt testen auf den baumfreien 1000 Meter Hohen Nordhänge ihr Material. Gäste aus über 30 Nationen genießen den einmaligen Charme des kleinen Skidorfes. Und das Hotel Mondschein ist heute noch beliebter Treffpunkt aller Skibegeisterten welche sich nach bald hundert Jahren immer noch Ihre Skifahrergeschichten am alten Kachelofen vom Emil Walch erzählen.

Das 1739 erstmals erwähnte Hotel steht heutzutage für Traditionsbewusstsein und Innovation zugleich: Die Sanierung auf höchstem technischen Niveau stellt für das Energieinstitut des Landes ein Next-Practice Beispiel dar und das Hotel wurde auf Vier Sterne Niveau erweitert – die alten Stube mit Ofen, offenem Kamin und (Wein-) Keller sind jedoch geblieben. Die alte Gaststube im Mondschein ist immer noch ein Restaurant und der Boden knarrt immer noch gleich wie damals. Die alten Skier aus der Pionierzeit sind überall im Haus zu bewundern und auch die Willi Walch-Bindung ist präsent.